Die nächsten Tage
Obwohl es für Grace keinen Grund gab, daran zu Zweifeln, dass sie Heath liebte und auch er sich seiner Liebe zu ihr sicher war, wurde ihre Beziehung in jenen Tage ein Stück weit auf die Probe gestellt.
Grace fühlte sich überfordert mit der Situation, dass sie keinen Zugang mehr zu Marcus hatte. Ihre so tiefen Freundschaft war einer flüchtigen Bekanntschaft gewichen und manchmal hatte sie gar das Gefühl, dass Marcus froh war, Grace nur noch selten zu sehen. Eigentlich trafen sich die Freunde oft zum Essen und zu einem BBQ, doch seit diese Ingrid da war, nein sie musste sich eingestehen, dass es schon so war, seit sie mit Heath verlobt war, ließ sich Marcus kaum noch blicken. Doch seit diese Ingrid aufgetaucht war, hatte er zumindest eine Ausrede, es tut mir leid Grace Ingrid musste noch zu einem Patienten, entschuldige Ingrid wollte heute für uns kochen, sei mir nicht bös, aber wenn Ingrid nicht mitkommt, fühle ich mich zwischen euch glücklichen Pärchen so einsam... Zumindest damit mochte er ja vielleicht haben, dennoch war sie sich sicher, dass er einfach nichts mehr mit ihr zu tun haben wollten. Und dabei war es ihr dann auch selbst ziemlich egal, dass sie sich manchmal selbst wie ein bockiges Kind verhielt.
Wenn sich die Freunde auf Killarney trafen, erfand sie ihrerseits Ausreden. Auch in den Pub ging sie nicht mehr mit, weil sie ahnte, dass sie dort auf Marcus treffen könnte.
Aber auch Heath ging viel durch den Kopf, seit eines Nachmittags Ingrid auf seinem Hof gestanden hatte. Alles was er bis dahin, auch mit der unbewussten Hilfe von Grace, erfolgreich verarbeitet hatte, wie er glaubte, war plötzlich wieder da. Er musste sich eingestehen, dass er nichts verarbeitet hatte, er hatte es nur erfolgreich verdrängt.
Doch was sollte er jetzt machen, weiter verdrängen, Ingrid einfach so ignorieren?
Heath hatte Angst, dass er der Last seiner Gefühle nicht Stand halten konnte, dabei wünschte er sich doch nichts sehnlicher, als mit Grace einen Neuanfang zu wagen und mit ihr glücklich zu werden.
3 Wochen später
19:00 Uhr
Drovers Veranda
Für diesen Abend war wieder einmal eine Grillparty auf Drovers geplant und Regan, Dave, Moira, Kate, Riley, Tayler, Pat und Grace hatten es sich schon auf der Veranda gemütlich gemacht, während Alex den Grill vorbereitete.
Etwas verspätete erschienen auch Ingrid und Marcus bei den Freunden, sie hatte sich bei ihm untergehakt und beide waren hoch auf amüsiert. Auch wenn beide mit der Zeit richtig gute Freunde geworden waren, war da nicht mehr zwischen ihnen. Jedoch waren Ingrid und Marcus die einzigen die das so sahen, denn alle anderen waren der festen Überzeugung das da etwas zwischen den beiden lief.
„Entschuldigt, dass wir zu spät kommen, aber Marcus wurde einfach nicht fertig.“
Ingrid lachte, während Marcus sie empört ansah, „Ich war fertig, aber du hattest was vergessen und wir mussten noch mal zurück.“ Für diese Bemerkung kassierte er einen Klaps auf den Arm. Alle anderen schmunzelten amüsiert. Pat erhob sich und zusammen mit Riley ging er zu Alex um ihm zu helfen. Dadurch wurde die kleine Bank frei, auf der Ingrid und Marcus platz nahmen.
Marcus legte seinen Arm, eher unbewusst hinter Ingrid auf die Lehne der kleinen Bank und berührte ihre Schultern. Er ließ seinen Blick schweifen, ‚Wo steckte Heath wohl? Aber eigentlich kann der bleiben wo der Pfeffer wächst.’ Während es Marcus nicht interessierte, schien Kate neugierig darauf zu sein, wo Grace ihren Verlobten gelassen hatte.
„Hey Grace, wo ist eigentlich Heath?“ Die angesprochene sah zu Kate, „Er hatte noch zu tun, er kommt nach.“ Sie nickte.
Kurze Zeit später kamen auch schon die Männer mit dem fertigen Grillfleisch zurück, gemeinsam begannen sie zu essen und unterhielten sich prächtig.
Moira beobachtete die Gruppe und musste schmunzeln, alle hatten sie anscheinend ihre Liebe gefunden, Alex und Stevie, Regan und Dave, Kate und Riley, Tayler und Pat, Marcus und Ingrid, Grace und Heath. Und obwohl Moira nun die einzige Singlefrau auf dem Hof war, war sie glücklich. Sie freute sich für ihre Freundinnen und war sich sicher, dass auch sie eines Tages wieder jemand finden würde.
Mittlerweile war es schon etwas später und die Stimmung war feucht fröhlich, dann jedoch tauchte Heath auf. Während Grace sich wahnsinnig freute ihn zu sehen und ihn stürmisch mit einem Kuss begrüßte, reagierten zwei Personen nicht so erfreut.
Marcus warf Heath einen grimmigen Blick zu und zog Ingrid enger in seine Arme.
Lange hatte Ingrid überlegt, ob sie heute kommen sollte. Denn heute war der Tag gekommen, an dem sie Heath nicht aus dem Weg gehen konnte, ihr waren schlicht und ergreifend die Ausreden ausgegangen. Zudem genoss sie die Abende mit Marcus, Grace und den anderen.
Als Heath nach einiger Zeit nicht gekommen war, hatte sie zwischenzeitlich sogar die Hoffnung gehegt, dass er nicht mehr käme. Jedoch nun war er da und sie konnte ihm nicht ausweichen.
Ihr erstes Zusammentreffen auf Kinsellas hatte sie völlig aus der Bahn geworfen und danach hatten sie sich gemieden. Wenn sie auf einander trafen, wichen sie sich demonstrativ aus. Doch nun konnte sie nicht einfach gehen. Ein Gefühl von Ohnmacht überfiel sie, als sie Heath und Grace sah. Sie fühlte, wie ihr Herz schmerzte.
Als Heath sich setzte und Grace auf seinen Schoß zog, sah er sich zum ersten Mal in der Runde um und entdeckte Ingrid. ‚Sie ist auch hier?’ Sein Blick wurde traurig und still nickte er ihr zu. Sie nickte zurück und bette ihren Kopf an Marcus Schulter, sie brauchte Halt.
Unschlüssig darüber, wie er sich verhalten sollte, hielt er Grace in seinen Armen.
‚Warum ist sie ausgerechnet hier aufgetaucht. Ich habe hier Abstand gewonnen. Ich liebe Grace... Tue ich das wirklich?’
Seit Heath aufgetaucht war, wurde die Stimmung zusehends gedrückter. Marcus grübelte vor sich hin und war bemüht nicht in Heath Richtung zu schauen, er konnte das Geturtel von ihm und Grace einfach nicht ertragen. Auch Heath war in Gedanken versunken und tat aus Höfflichkeit so, als folge er den Gesprächen der anderen.
Ingrid war völlig verstummt, blass saß sie neben Marcus und focht einen heftigen Kampf mit ihren Gefühlen aus, immer wieder kämpfte sie gegen die in ihr aufsteigenden Tränen an. Sie war immer noch nicht über die Sache hinweg und schaffte es nicht sie für den Moment zu verdrängen.
Da sein Arm immer noch auf ihren Schultern ruhte, bemerkte Marcus nach einer Weile, die unregelmäßigen Atemzüge von Ingrid. Er blickte zu ihr, „Alles okay mit dir?“ Ingrid nahm seine Worte nur aus weiter Ferne wahr und wurde nur von seiner Hand auf ihrer Wange in ihren Gedanken unterbrochen. Mit feuchten Augen sah sie ihn an, „Ja alles okay, nein das heißt, ich habe fürchterliches Kopfweh.“ Sie schluckte, „Ich würde gern zurück.“
Marcus sah sie prüfend an, dann strich er ihr über die Wange, „Hey klar können wir zurück fahren, du hättest auch schon eher etwas sagen können.“ Dann wandte er sich an die anderen,
„Seit uns nicht bös’ aber wir werden dann mal wieder los,“ Marcus hielt Ingrid die Hand hin und half ihr beim Aufstehen. „Bis bald,“ sagte sie noch und bemühte sich um ein Lächeln.
Als sie sich auf dem Weg zum Auto machten, sah Ingrid sich noch einmal um und winkte den anderen zu, dabei trafen sich Heath’ und ihr Blick. Sie schluckte schwer.
Als Ingrid im Wagen platz genommen hatte, ließ sie sich nach hinten in den Sitz fallen.
Sie starrte hinaus in die Nacht. Als sie Drovers verlassen hatten, schaffte sie es nicht länger, gegen ihre Gefühle anzukämpfen. Sie stützte ihren Kopf in ihre Hände und begann zu weinen. Als Marcus ihr schluchzen vernahm, zuckte er zusammen. Vorsichtig fuhr er an den Rand und sah zu ihr. Er strich ihr über den Rücken und sprach sie vorsichtig an,
„Ingrid, was ist mit dir?“ Marcus war verunsichert, wusste nicht, was er tun sollte.
Ingrid beugte sich zu ihm und ließ sich bereitwillig in den Arm nehmen.
Eine Weile verharrten sie so, dann löste sich Ingrid von ihm, sie wischte sich die Tränen weg und sah verlegen wieder aus dem Fenster, „Ich denke wir sollten weiter fahren, ich bin okay.“
Marcus sah sie prüfend von der Seite an und nickte dann stumm.
‚Was sie wohl hat? Sie reagiert schon seit sie hier ist, manchmal so, aber sie redet nie darüber.
Ich kann nur für sie da sein.’
Beide fuhren sie still nach Killarney zurück.