23:30 Uhr
Killarney Auffahrt
Vorsichtig fuhr Marcus die Auffahrt entlang. Er parkte den Wagen vor dem Haus und stieg aus. Nachdem er um den Wagen herum gegangen war öffnete er die Beifahrertür, „Da wären wir.“ Sprach Marcus Ingrid an, die immer noch aus dem Fenster starrte. Durch seine Stimme zurück in die Gegenwart geholt, sah sie ihn an und stieg ebenfalls aus.
Nun standen sie beide vor dem Haupthaus und wieder herrschte Schweigen. Nach einiger Zeit ergriff Marcus das Wort, „Ist wirklich alles okay?“ Er hob ihr Gesicht vorsichtig an und blickte ihr in die Augen, „Magst du vielleicht mit zu mir kommen?“ Ingrid sah ihn an und nickte nur stumm. Marcus legte seinen Arm um sie und gemeinsam gingen sie ins Haus.
Es war zwischen ihnen zu einem festen Ritual geworden, dass der eine beim anderen übernachtete, wenn es diesem nicht so gut ging. Ihre Nähe gab ihnen Ruhe und die nötige Kraft für den nächsten Tag.
24:00 Uhr
Killarney Marcus’ Zimmer
Marcus und Ingrid hatten sich fürs Bett fertig gemacht und lagen nun dicht nebeneinander.
Auch wenn Ingrid sich zwischenzeitlich beruhigt hatte, so kehrten nun die Tränen in ihre Auge zurück. Als Marcus dies merkte, zog er sie, ohne ein Wort zu sagen wieder in seine Arme und gab ihr Halt. Ihre Tränen durchtränkten sein Shirt, doch sie war froh, dass er nichts sagte.
Nach einigen Minuten sah Ingrid zu Marcus hoch und versank in seinen Augen. Langsam näherten sich ihre Lippen und fanden sich zu einem ersten schüchternden und dann immer leidenschaftlicher werdenden Kuss.
Auch wenn er es falsch fand, konnte Marcus nicht mehr klar denken, zu sehr hatte er sich wohl in den letzten Wochen, nach ihren zärtlichen Berührungen gesehnt. Sanft strich er ihr über den Rücken und sie vergaß ihre Gedanken, sie brauchte ihn jetzt. Musste fühlen, dass es sie wirklich noch gab. Marcus zog sie sanft enger zu sich und beide schliefen zärtlich mit einander.
Ingrid bettete ihren Kopf auf seiner Brust und Marcus legte seinen Arm um sie, sanft strich er ihr über die Schulter, ihren Rücken entlang.
Obwohl Ingrid nichts bereute, bahnten sich erneut Tränen ihren Weg über ihre Wange.
Als die ersten auf Marcus Brust fielen, schloss er die Augen und schalt sich selbst. ‚Du Idiot, warum hast du das getan, du hättest es verhindern müssen. Sie wollte es doch gar nicht.’
Vorsichtig hob er seinen Kopf, er strich ihr durchs Haar und flüsterte, „Ich es tut mir so leid, ich wollte dich nicht ausnutzen, ich war so ein Idiot!“
Ingrid verschloss seinen Mund mit ihren Fingern, „Tscht, dass warst du nicht. Hätte ich es nicht gewollt, hätte ich etwas gesagt.“ Sie war um ein Lächeln bemüht.
Ihre Finger wanderte von seinem Mund zurück zu seiner Brust, in kleinen Kreisen strichen sie sanft darüber.
Auch seine Hand war wieder auf ihrem Rücken angelangt und strich darüber.
Einige Zeit sagte keiner von beiden etwas, das einzige, was die Stille der Nacht durchdrang, war ab und zu ein Schluchzen von Ingrid.
Nach einer Weile, beschloss Marcus sich einen Ruck zu geben und sie noch einmal auf ihr Verhalten anzusprechen. Es lag ihm viel an ihr und er wollte ihr unbedingt helfen, doch so lange er nicht wusste, was mit ihr los war, konnte er dies nicht.
„Ingrid,“ flüsterte er und wartete auf eine Reaktion ihrerseits. „Ja?“ antwortete sie und hielt ihren Blick gesenkt, noch immer strich sie in Gedanken versunken über seine Brust.
„Was hast du? Ich merke doch, dass es dir nicht gut geht.“ Besorgnis lag in seiner Stimme.
Ingrid rang mit sich. ‚Sag es ihm, es wird dir sicher gut tun, wenn du mit jemanden darüber sprichst.’ Dann nach einer Weile begann sie leise: „Es ist... es ist wegen meinem Ex...“ Marcus spürte Wut in sich aufkommen, wenn er etwas nicht ausstehen konnte, dann war es die Tatsache, dass ein Mann seine Freundin nicht gut behandelte. So ruhig wie möglich fragte er nach, „Was hat er dir angetan?“ Ingrid blickte zu ihm hoch und bat ihn mit ihrem Blick zu schweigen, sie schüttelte leicht den Kopf, „Er hat mir nichts getan...“ sie machte eine Pause und musste ihre Kräfte sammeln, dass alles fiel ihr nicht leicht.
Sie schluckte und sprach dann weiter, „Wir hatten... eine kleine Tochter... Zoe...“
Marcus grübelte, ‚Eine Tochter? Wieso hatten?’ doch er sagte nichts, hielt sie einfach nur im Arm und gab ihr Halt. Ingrid sprach weiter und wurde immer wieder von kurzen Schluchzern unterbrochen.
„Es ist damals nicht ... alles so gewesen... wie es hätte sein sollen... Ich musste meinen Dickkopf durchsetzen... ich habe zu lange gearbeitet... und Zoe... sie kam zu früh auf die Welt...“ ‚Dafür kann sie doch nichts, sie muss sich keine Vorwürfe machen.’ Er strich ihr über den Rücken. „Sie hat sich... ganz langsam ins Leben gekämpft... unsere Kleine... Wir waren so glücklich... als wir sie endlich... mit nach Hause nehmen konnten...“ Unaufhörlich liefen ihr die Tränen über die Wangen und tropften auf Marcus Brust, was ihn jedoch nicht störte.
„Wir waren eine... glückliche kleine Familie... und dann eines Morgens... als ich sie wecken wollte... da lag sie einfach nur so da... sie war tot... mein kleines Mädchen...“
Marcus schluckte schwer, ‚Das ist ja furchtbar, sie tut mir so leid.’ Auch wenn er gern etwas gesagt hätte, blieb er still, denn er merkte, dass Ingrid noch etwas zu sagen hatte.
Sie schluchzte, „Wir haben es nicht geschafft... gemeinsam zu trauern... er hat sich in die Arbeit gestürzt... und ich... ich habe mich verkrochen... ich konnte die Nähe der Menschen... einfach nicht mehr ertragen... irgendwann haben wir eingesehen... dass wir so nicht weiter machen können... wir haben uns dann getrennt... und jeder ging seine Wege...“ sie hielt kurz inne und fuhr dann fort, „Ich habe irgendwann wieder begonnen.... zu leben... und dachte ich... wäre darüber hinweg... aber als er dann... wieder vor mir stand... da war alles wieder da...“ Ingrid kuschelte sich enger an Marcus und er versuchte sie zu beruhigen, indem er weiterhin sanft ihren Rücken streichelte.
Er machte sich so seine Gedanken, ‚Ausgerechnet hier, trifft sie ihn wieder. Welch schicksalhafter Zufall.’ Während sich Ingrid langsam beruhigte, kreisten seine Gedanken immer wilder umher, ‚Das erste Mal war sie so fertig, als sie von Kinsellas zurück kam.’ Er schreckte innerlich hoch, ‚Heißt das, dass Heath ihr Ex ist?’ Marcus konnte nicht glauben, was er dachte, ‚Aber das würde erklären, warum sie heute Abend so ruhig wurde, nachdem er aufgetaucht war.’ Ihre Atemzüge wurden langsam immer ruhiger, er hörte auf über ihren Rücken zu streichen und hielt sie einfach nur fest in seinen Armen.
Da er nicht aufhören konnte, darüber zu grübeln, fragte er vorsichtig, „Es ist Heath, oder?“
Ingrid nickte leicht, sagte aber nichts. Marcus ließ es auf sich beruhen, er wollte nicht wieder ihre Gefühle aufwühlen. Er gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn und hoffte das sie bald einschlafen würde.
Da sie sehr geschafft war, gelang es Ingrid alsbald in einen leichten Schlaf zu gleiten.
Marcus hing noch eine Weile seinen Gedanken nach und schlief dann ebenfalls ein.